Ende Juni 2019 haben die Europäische Union und die Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay) die seit 1999 laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Sofern die jeweiligen Parlamente zustimmen, entsteht damit die grösste Freihandelszone zwischen zwei Wirtschaftsblöcken der Welt. Entsprechend euphorisch jubelte die europäische Exportindustrie. Ein riesiger neuer Absatzmarkt für ihre Produkte würde mit dem Abkommen erschlossen.

Im Schatten dieses Mega-Deals verhandelt auch die Schweiz zusammen mit ihren EFTA-Partnern (Norwegen, Island und Lichtenstein) über ein analoges Abkommen. Die Verhandlungen laufen noch und das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft Seco gibt sich bedeckt. Aus gutem Grund: Rund ein dutzende Vorstösse zum Mercosur-Abkommen sind zurzeit im Parlament hängig. Mit dem Abkommen könnten Nahrungsmittel aus den südamerikanischen Staaten zollbefreit in die Schweiz importiert werden. Angesichts von Skandalen um Tierfabriken, Pestizid-Verschmutzung und GMO-Pflanzen ein Risiko für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten. Aber auch die Schweizer Bauern fürchten um ihre Produkte.

Vor diesem Hintergrund scheint ein neuer Bericht des Centre for Development and Environment der Uni Bern umso brisanter: Die Forscher haben darin die Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens unter die Lupe genommen und kommen zum Schluss: Das Abkommen nützt einseitig grossen Agrokonzernen und verdrängt dadurch Kleinbäuerinnen und -bauern von ihrem Land. Dadurch verstärkt es Landkonflikte und beschleunigt die Abholzung des Amazonas-Regenwalds. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe eine ganz schlechte Nachricht für unseren Planeten.

Es wird höchste Zeit, dass der Bundesrat mit der Geheimniskrämerei um das Abkommen aufhört und endlich transparent macht, über was genau er verhandelt. Sollte der Deal ähnlich verheerend sein wie jener der EU, ist die Übung schleunigst abzubrechen. Fortsetzung folgt.